DXC Technology und NEVS: Partnerschaft bei Produktion von Elektroautos

National Electric Vehicles Sweden (NEVS) hat DXC Technology als Partner für den Bau einer automatisierten End-to-End-Fertigungskette für Elektrofahrzeuge in Schweden und China gewählt. Das Kernstück der integrierten Herstellungsplattform bildet eine SAP-basierte Plattform, die sämtliches Prozesse, Personen und Einheiten vom Auftragseingang bis zur Auslieferung der fertigen Fahrzeuge miteinander verbindet.

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Martin Larsson, NEVS Account Executive von DXC Technology, spricht im Interview über den Zusammenhang zwischen dem starken Wettbewerb in der Automobilindustrie und dem Integrationsgrad in der Fertigung: „Um ein komplexes Geschäft effizient zu betreiben, ist es wichtig, sämtliche Komponenten einzubinden“. Dank der Zusammenführung der Finanz-, Marketing- und Herstellungsinformationen lassen sich nicht nur die Finanzen exakt kontrollieren, dieser Schritt ermöglicht auch die Anpassung an globale Veränderungen auf den Märkten und bei der Gesetzgebung.

Im Interview mit Business Value Exchange spricht Martin Larsson über die Zusammenarbeit zwischen DXC und NEVS beim Bau der Werke in Trollhättan, Schweden, und Tianjin, China, sowie über die Zukunft von Connected Manufacturing.

Wie sieht die Landschaft der Fahrzeughersteller derzeit aus?

Larsson: Die Fahrzeugherstellung ist vermutlich aktuell das disruptivste Geschäft, es ist anfällig für Marktveränderungen und Preisschwankungen bei Materialien, und es verändern sich die regulatorischen Bedingungen. Steigende Benzinpreise und wachsende Umweltbedenken bei den Kunden spornen die Automobilhersteller zur Erweiterung ihres Portfolios an und zum Umbau ihrer Produktion auf hybrid-elektrische Fahrzeuge oder solchen, die mit Ökostrom betrieben werden. Ein weiterer Faktor ist das Thema Connected Car, das eine Veränderung auf den Märkten und beim Verbraucherverhalten hin zu Abonnements oder Carsharing-Lösungen bewirkt. In naher Zukunft werden Automobilhersteller ihre Fahrzeuge nicht mehr nur als Grunderzeugnis verkaufen, sondern als kundenbezogenen mobilen Service für die Nutzung spezifischer Profile beispielsweise für Pendler oder für Freizeittouren. Fahrzeugnutzer werden sich weniger um den Besitz kümmern, als vielmehr um die optimale Transportmöglichkeit, wodurch sich das Geschäftsmodell um neue Angebote erweitern wird.

Damit Autohersteller ihr Produkt in der Entwicklung und auf der Straße kontinuierlich verbessern können, benötigen sie eine hohe Integration der Backend-Systeme.
Ich glaube, viele europäische Autohersteller würden gerne wie NEVS agieren und die Möglichkeit nutzen, eine höchst moderne integrierte Plattform zu bauen. Es ist jedoch teuer und komplex, wenn ein großer Betrieb, abhängig von alten Systemen, auf Hochtouren am Laufen ist. Das Ziel ist eine uneingeschränkte Unterstützung von der Auftragserteilung bis zum Verkauf und Transport des Fahrzeugs durch integrierte Systeme. Jede Eingabe von der Bestellung bis zur Auslieferung und dem Produktionsprozess wird automatisch erfasst und ist für das Management im Bereich Finanzen und Controlling unmittelbar sichtbar. Dank der neuen Integrationsebenen werden Einblicke in Echtzeit in das Geschäft sowie die Wahrnehmung und Reaktion zur Synchronisation der Wertschöpfungskette bei der künftigen Connected-Manufacturing-Produktion von NEVS möglich.

Welchen Umfang hat das NEVS-Projekt?

Larsson: Die Partnerschaft startete 2012 mit lokalen Kenntnissen über die Altsysteme von Saab, das Geschäft, die Prozesse und die Systeme. In dieser Startphase bestand ein Teil der Arbeit darin, Lücken bei der alten Plattform für die Beschaffung, Herstellung und Logistik zu schließen und die Finanzsysteme für den Bedarf in der Anfangszeit von NEVS in Form zu bringen. Nachdem NEVS 2012 die Vermögenswerte von Saab Automobile übernommen hat, bestanden eine Reihe von Lücken im Produktionsprozess: Viele Abteilungssysteme waren nicht zugänglich, weil das geistige Eigentum bei General Motors lag, dem früheren Besitzer von Saab Automobile. Die erste Phase der SAP-Implementierung befasste sich mit der Aufstellung solche Schritte für einen integrierten Ende-zu-Ende-Plan.

Die aktuelle DXC-NEVS-Partnerschaft umfasst die Umsetzung der Roadmap sowie die Modernisierung, damit die schwedische Fabrik betriebsbereit wird. Außerdem wird eine komplett neue Anlage in Tianjin bei Peking aufgebaut. Zwischen der ersten und zweiten Partnerschaft mit NEVS wurde SAP unter den Gesichtspunkten Produktion und Technologie stark weiterentwickelt. S/4HANA und modern Rechenzentrumstechnologie mit In-Memory-Computing-Fähigkeiten sind der De-facto-Standard. HANA bietet zahlreiche Vorteile bei der komplexen Produktion großer Mengen, wie sie in der Automobilbranche typisch ist.

Was ist das größte Unterscheidungskriterium von DXC Technology im Automobilbereich?

Larsson: Wir verfügen über ein sehr interessantes Angebot für die Implementierung der SAP-Suite im Automobilbereich. Während häufig Standardversionen von SAP für die Herstellung verwendet werden, haben wir bei DXC Technology spezielle Templates für SAP-Prozesse definiert, die eine bewährte und robuste Implementierung sowie maßgeschneiderte Wege für spezifische Arbeiten im Automobilsektor gewährleisten. Diese Templates leiten sich aus unseren vertieften Kenntnissen dank der Zusammenarbeit mit vorwiegend asiatischen und europäischen Fahrzeugherstellern ab und sind ein echtes Differenzierungsmerkmal. Die Mehrheit der neuen Fahrzeuganlagen wurde in den vergangenen 10 bis 15 Jahren in China und Indien erstellt und unser Automotive-Team war bei den meisten davon involviert. Diese Lösungen sind für hohe Volumina und komplexe Fahrzeugherstellungsumgebungen maßgeschneidert. Viele der verwendeten Standard-SAP-ECC-Implementierungen aus der Vergangenheit haben Probleme bekommen, sobald die Mengen und die Komplexität zunahmen. Ergänzend zu S/4HANA setzen wir SAPs Fiori front-end-Fähigkeiten dazu ein, das Personal und das Management mobil zu machen und es ihnen zu ermöglichen, einfache Transaktionen wie die Bewilligung einer Bestellanforderung schnell und routinemäßig durchzuführen.

Welche Vorteile bietet die maßgeschneiderte SAP-Lösung für die Herstellung von DXC-Technology?

Larsson: Sie bietet unmittelbare Kontrolle über die Geschäftsperformance und erleichtert es, mit der sich verändernden Landschaft Schritt zu halten. Wenn es beispielsweise bei Elektrofahrzeugen Gesetzesänderungen durch die chinesische Regierung gibt, sind Sie in der Lage, die direkte Auswirkung auf Ihr Geschäft und die Profitabilität zu bestimmen und können geeignete Maßnahmen ergreifen. Sie haben bei allen Aspekten des Kostenmanagements, der Vorhersage von Verkaufsvolumina und den Auswirkungen auf den Beschaffungszyklus eine höhere Visibilität und detaillierte Kontrollmechanismen. Es ist von unschätzbarem Wert, dass sie in der Lage sind, schnell zu verstehen, was um Sie herum und auf den Marktplätzen geschieht und ihre Kostengrundlage für Personal, Anlagen und Materialien daraufhin abstimmen können.

Welchen Unterschied macht eine Ende-zu-Ende-Integration bei der Herstellung?

Larsson: Jedes große Unternehmen stellt sich die Frage: „Wie erfolgt eine flexible Anpassung an veränderte Kundenanforderungen und Marktbedingungen und wie kann ich den Verkauf und die Profitabilität nicht nur für das Unternehmen, sondern vorzugsweise für das ganze Ökosystem verbessern?“. Wenn sämtliche Daten entlang der Herstellungs- und Lieferkette integriert sind, können diese Fragen beantwortet werden und es gibt keine Überraschungen. Angemessene Unternehmensergebnisse können mit genauer Vorhersage simuliert werden, indem anspruchsvolle Analysen mit Big-Data-Management-Möglichkeiten kombiniert werden.

Welche Rolle spielen Kundenerfahrungen und Connectivity in der Ende-zu-Ende-Herstellung?

Larsson: Kundenerfahrung und – noch bedeutender – Big Data Analytics haben alle bestehenden und aufstrebenden Autohersteller auf dem Plan. Die künftigen Möglichkeiten zur Verbindung fahrzeuginterner Daten von Kunden bietet ein großes Potenzial für die Fahrzeughersteller. Kundendaten – ob Unterhaltungsvorlieben oder Fahrstil – können für Forschung und Entwicklung verwendet werden und den Herstellungsprozess kontinuierlich verbessern: Wie wird das Produkt eingesetzt, was kann verbessert und graduell während des Jahres aktualisiert werden? Das wird immer wichtiger.

Wie ein Smartphone, startet ein Connected Car sein Leben mit einer Grundausstattung an Features, die, je nach seinen Fähigkeiten, um personalisierte Daten und Apps erweitert werden. Es wird durch die drahtlosen Updates durch den Fahrer oder das Auto immer besser, was einer komplett anderen Proposition gegenüber aktuellen Autogenerationen entspricht.

Damit Autohersteller ihr Produkt in der Entwicklung und auf der Straße kontinuierlich verbessern können, benötigen sie eine hohe Integration der Backend-Systeme. Die „weichen“ Rückmeldungen über Marken und Produkte müssen verstanden und mit Social Media Analytics erfasst, um schließlich mit ERP, der Herstellung und den F&E-Informationen kombiniert zu werden. Daten wird es über alle Aktivitäten geben, aber sie in nützliche Informationen zur Optimierung der Produktion umzuwandeln verbessert erst die Effizienz. Der Einsatz von Predictive Analytics und die Vermeidung von Rückrufen sind vielleicht der Schlüssel, um im Wettbewerb zu bestehen.

Robuste und gute Konnektivität oder Lösungen für das Internet der Dinge sind das Fundament eines anderen Trends in der Autoindustrie: Dem autonomen Fahren. Dies wird weitaus schneller auf den Markt kommen, als es sich die meisten Fahrzeughersteller noch vor einem Jahr vorgestellt hatten.


Helen Beckett is the Community Manager of the Business Value Exchange. She has been a writer and editor for over 20 years and takes a particular interest in the challenges facing the CIO in today’s business climate.

Martin Larsson is a DXC Technology account executive for the automotive sector.